Buch der Woche 15.08.2011 – 21.08.2011

Titel: Liber Vampirorum
Autor: Anthologie (Hrsg. Christian von Aster)
Verlag: Midas Publishing
Umfang: 156 Seiten
ISBN: 9783937449036
Preis: 12,00 €

Zum Inhalt:

Nachtschattengesandte – Christian von Aster
Schon seit ihrer Kindheit träumte sie von zauberhaften- und mystischen Wesen. Auf Einhörnern war sie durch weite Flur getragen worden, von Drachen hatte sie sich rauben lassen und Ritter befreiten sie aus den Klauen der Scheusale. Doch nichts sehnte sie mehr herbei, als den lustvollen Kuss eines Vampirs. Doch als es soweit ist und dies Wesen der Nacht vor ihrem Bett steht, um sie die Ewigkeit kosten zu lassen, überwiegt die Lüsternheit vor dem Wunsch.

Die Frau auf dem Ida – Katrin Döscher
Ihrem untreuen Mann, für den sie noch immer starke Lieben empfindet, bringt sie einer Lamia ein schreckliches Opfer, um sein Leben zu retten. Doch der Handel mit dem vampirischen Wesen offenbart sich als grausamer Betrug, der ihr jede Hoffnung nimmt.

Die Rosen des Grafen de la Patate – Christian von Aster
Schon als kleines Kind ist Aurelie entzückt von dem Irrgarten aus Rosensträuchern auf des Vaters weitem Grundstück. Niemand vermag sie in diesem Domizil zu stören. Eines Abends trifft sie im Herzen der Blütenpracht einen jungen Mann, der sich ihr als Vampir offenbart. Seit dieser flüchtigen Begegnung sind Jahre vergangen. Es ist Abend, da klopft eben jener Mann an die Pforten des väterlichen Hauses und bitte um Obdach für die Nacht. Man begibt sich zum Mahl und der Gast wird aufgefordert, ein Gebet zu sprechen. Doch sind es keine fromme Worten, die des Jünglings Mund entspringen und so bricht ein heftiger Streit zwischen ihm und dem Hausherren aus. Ein Zwist mit Folgen.

Eine Liebesgeschichte – Katrin Döscher
Für Carolus sind die allabendlichen Grischischlektionen in einer nahen Taverne mit besonderer Wonne verbunden. Nicht etwas, dass dies am Lehrstoff liegt, nein, eines der Mädchen in dem Gasthaus hat es ihm angetan. Dem Lehrer von Carolus ist die Liebelei jedoch ein Dorn im Auge, und er verbiete ihm den weiteren Umgang mit dem Mädchen, woraufhin es zwischen den beiden zum Zerwürfnis kommt. Doch der uneinsichtige Schüler hätte auf seinen Mentor hören sollen.

Nennt uns Vampire – Christian von Aster
Ein Gedicht über die Schönheit nächtlicher Kreaturen und der Unvollkommenheit und Arroganz des Menschen.

Der Muße süßer Zungenschlag – Christian von Aster
Die Kunstkennerin Chaterine O’Kappa wird des Nachts auf ein Polizeirevier gerufen, wo sie sich als Anwältin eins kürzlich festgenommenen Einbrechers ausgeben soll. Dieser hat ihre eine unglaubliche Geschichte über die Entstehung dreier sehr spezieller Bilder zu erzählen.

Verteidigungsrede einer Beschuldigten unter Anklage der Hexerei – Katrin Döscher
Ihren Mann soll sie vermittels böser Magie verschwinden lassen haben, doch die Angeklagte weist alle Schuld von sich und berichtet statt dessen von schwarzen Vögeln, die des Nachts ihr Haus umschwirrten und einem dämonischen Weib, welche ihren Mann mehr und mehr abspenstig machte und schlussendlich verschwinden ließ.

Sub Rosa – Christian von Aster
Von der englischen High Society fürchterlich gelangweilt, suchen drei Freunde ihre Heil in der Beschäftigung mit okkulten Lehren und Wesen. Ein alter Mann, den sie extra vom Balkan herbringen lassen, beschert ihnen die blutrote Unsterblichkeit. Es dauert jedoch nicht lange und die Drei müssen feststellen, dass Unsterblichkeit kein Seelenheil bringt.

de profundis – Oliver Hagendorn
Ein merkwürdiger Brief, angeblich von einem Vampir verfasst, versetzt eine Studentengruppe in Detektivlaune. Die Suche nach dem Ursprung des Schriftwerke bleib zwar letztendlich ungeklärt, doch ereignen sich beunruhigenden Begebenheiten.

Der letzte Vampir von Krodov – Christian von Aster
Mit seiner Schaustellertruppe fängt Professor Mosca einen Vampir. Durch die unheimliche Attraktion kommt das einstmals schäbige Varietee zu zweifelhaften Ruhm und Reichtum. Jeder will die blutrünstige Bestie sehen. Als die Kuriositätenschau jedoch in ein abgelegenes Dorf bestellt wird, wendet sich das Blatt und statt einem rollenden Rubel fließt Blut.

Kletterpartie – Dorthe Landschulz
Frank ist Biologiestudent und auf eine Party eingeladen. Leider kann er solch feuchtfröhlichen Verlustigungen nicht viel abgewinnen. Nachdem er schon einiges getrunken hat, fordert die Natur ihr Recht. Auf der Toilette jedoch klettert plötzlich ein Mädchen durchs Fenster. Zwar mag dieser Umstand auf den ersten Blick belustigend wirken, die Wohnung liegt allerdings im fünften Stock!

Rosenkohl – Katrin Döscher
Um einen ganz in Schwarz gekleideten Mann, den sie Lumpi nennt, drehen sich ihre Gedanken. Jeden Tag steht er an der Wand des Hauses gegenüber und mustert die vorbeigehenden Menschen grimmig. Je mehr sie ihm beobachtet, desto schneller dreht sich ihre Phantasie um diesen komischen Kauz; doch was haben Rosenkohl und alter Butterkuchen in vampirschen Tagträumerein zu suchen?

Drüber geschaut:

Seit die Romane einer Stephanie Meyers und Machwerken ähnlichen Couleurs der Leserschaft an der Halsschlagader hängen, um sich dort kräftig am roten Lebenssaft gütlich zu, scheint der Vampir nur noch für den übermenschlichen Liebhaber und Retter-in-letzter-Sekunde zu taugen. Die Figur des Blutsaugers, seine Faszination und letztendlich auch sein Ursprung, verwirrt sich durch das Zurechtstutzen auf ein bestimmtes, dem Publikum maulgerecht geschnittenes Motive. Das es auch anders geht beweisen die Autoren von „Liber Vampirorum“.

Schon der erste Beitrag „Nachtschattengesandte“, in dem sich die Protagonistin nichts sehnlicher wünscht, als von einem Vampir gebissen zu werden, jedoch als es soweit ist, ihre Lüsternheit vor dem eigentlichen Wunsch überwiegt, verströmt ein düster-romantisches Flair.
„Die Frau auf der Ida“ wiederum, entführt in die griechische Sagenwelt, in der eine hilflose Frau mit dem Geschöpf Lamia (halb Frau, halb Schlange) einen grausamen Pakt schließt. Eine Geschichte, die Leser wohlig frösteln lässt; wogegen „Die Rosen des Grafen de la Patate“ wiederum eine romantische, fast träumerische Note träg, gepaart mit einer leichten Traurigkeit über die Gefühl- und Einfallslosigkeit des Menschen.
„Eine Liebesgeschichte“ erscheint als einer der eher konventionellsten Beiträge des Bandes, und zeigt auf, dass es manchmal gut ist, auf das Wort seine Gegenüber zu hören. Das Gedicht „Nennt uns Vampire“ dagegen, lädt zum nachdenken ein.
Im modernen Ambiente spielt „Der Muße süßer Zungenschlag“ und erinnert – was der Autor selbst frei zugibt – ein wenig an „Interview mit einem Vampir“. Eine reine Kopie ist diese Geschichte trotzdem nicht, sonder weiß durchaus zu gefallen und zeigt auf, wozu die Liebe zur Kunst fähig ist.
Bei der Lektüre zu „Verteidigungsrede einer Beschuldigten unter Anklage der Hexerei“ kommt man nicht umhin zu meinen, die Erzählung sei einem real-historischen Dokument entnommen. Die Autorin versteht es stilistisch vorzüglich das Geschilderte authentisch wirken zu lassen und dem Leser die Verzweiflung, Angst und Trauer der Protagonistin nahe zu bringen. „Sub Rosa“ währenddessen, berichtet von drei Freuden, die die Langeweile und Eintönigkeit des Alltags zu ungewöhnlichen Ideen antreibt. Das Ergebnis mag zu Anfang faszinierend sein, doch die Realität schlägt früher oder später mit aller Härte zu. In diesem Beitrag verfährt der Autor recht bösartig, doch unterhaltsam.
„de profundis“ dreht sich um einen Brief, der angeblich von einem Vampir verfasst wurde. Als man auf Spurensuche geht, setzt sich ein dunkles Räderwerk in Gang. Diese Erzählung flüstert mit einer leisen, subtilen Stimme und mag ein wenig verwirrend wirken. „Der letzte Vampir von Krodov“ dagegen lehrt einer Schaustellertruppe auf grausame, jedoch gerechte Weise, dass Vampire nicht nur wilde Bestien sind. Ein eher deftige Story mit viel Unterhaltungswert.
Ein wenig farblos kommt „Kletterpartie“ daher, in der von einem Mädchen berichtet wird, dass ein Haus hinaufklettert und durchs Klofenster kurz „Hallo“ sagt. „Rosenkohl“ dagegen lädt zum Schmunzeln ein, geht es darin doch um die kulinarischen Abneigungen eines Vampirs.

In „Liber Vampirorum“ beweisen die Autoren, dass die Figur des Vampirs mehr herzugeben vermag, als gedacht. Mit unheimlichen, romantischen, bizarren aber auch komisch-skurrilen Einfällen wird der Leser an die Lektüre gefesselt. Die inhaltliche Mischen zeigt sich höchst ausgewogen und so gut wie jede Story, von „Kletterpartie“ einmal abgesehen, die ein wenig blass gegenüber den anderen Beiträgen wirkt, kann überzeugen. Geschickt verarbeitet der Band unterschiedliche Motive, bleib seinem Anspruch aber in jeder Hinsicht treu. Ein Muss, nicht nur für Leute, die es bissig mögen!

Fazit:

Christian von Aster offenbart nicht nur als Autor ein herausragendes Talent, er versteht es auch als Herausgeber Eindruck zu machen. Mit „Liber Vampirorum“ legt er eine Anthologie vor, die in das Regal eines jeden Phantastik-Fans gehört!

Bild- und Inhaltsquelle: http://www.vonaster.de

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