Buch der Woche 21.05.2012 – 27.05.2012

Fräulein Schmidt und die Maske der Mona Lisa

Autor: Wilko Müller jr.
Verlag: Projekte Verlag Cornelius
Umfang: 139 Seiten
ISBN: 9783862374939
Preis: 8,80 Euro

Passend zum aktuell bevorstehenden Weltuntergang sind die Kino- und Fernsehprogramme voll mit themenbezogenen Material; und in den Buchhandlungen häufen sich Schriftwerk um Schriftwerk dazu. Einen recht „besinnlichen“ Beitrag zur Apokalypse hat Wilko Müller jr. mit Fräulein Schmidt und die Maske der Mona Lisa abgeliefert; durch seinen recht unauffällige Titel dürfte das Bändchen aber nur den wenigsten ins Auge fallen. Die Story währenddessen, ist durchaus gefällig verfasst und verdient eine breitere Leserschaft!
Die Geschichte beginnt mit einem geradezu banalen Vorfall: Der etwas schrulligen Antiquar Franz Wichoski findet in einem Werk über Renaissancemaler eine vergilbte Notiz, verfasst in Sütterlin. Die ist nicht gleich zu entziffern und so legt er sie mit dem Vorsatz beiseite in Kürze sich damit näher befassen zu wollen – und vergisst diese Absicht prompt.
Ein fremder Kunde, der einige Tage später den Laden betritt und den Eindruck eines gehetzten Tiers macht, verlangt überraschend eben jenes Buch, in dem die Notiz versteckt lag, was Wichowski wieder an deren Existenz erinnert. Dass der Fremde jedoch weniger an dem Buch, als der ominösen Notiz Interesse hat, wird dem Antiquar erst klar, als der Kunde im Park gegenüber des Ladens den Band fahrig zu durchsuchen beginnt. Als er das Gewünschte nicht findet, stürmt er zurück zu Wichoski, der ihn mit gemischten Gefühlen erwartet – doch zu einem erneuten Zusammentreffen kommt es nicht mehr; wird der Fremde doch mitten in seinem Lauf von einem Bus in die ewigen Jagdgründe geschickt. Was es mit dem Dokument wirklich auf sich hat, muss Franz Wichowski bald mit Schrecken feststellen, scheint sich daran doch ein bestimmter, ein göttlicher Plan zu vollenden. Nichts ist so, wie es zu sein scheint. Das gilt auch für seine einzige Angestellte Fräulein Schmidt, die ein doppeltes Spiel spielt; nicht zu vergessen die Machenschaften der dubiosen Loge des Weißen Lichtes – eine Geheimgesellschaft, die den Weltuntergang erwartet. Und genau um den geht es auch, will man den Maya Kalender richtig interpretiert haben: Am 21. Dezember 2012 soll die Welt enden. In diesem Spiel um das Fortbestehen der Welt ist dem Antiquar eine besondere Rolle zugedacht, eine Rolle, die er nur widerwillig zu spielen bereit ist.

Drüber geschaut:

Schnell wird ersichtlich, dass sich Wilko Müller jr. recht intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und daraus ein Süppchen gekocht hat, dass durchaus mundet. Die Geschichte strotzt nur so vor Andeutungen auf bekannte Buch- und Filmtitel, seien es nun die Ergüsse von Dan Brown (wenn es um Geheimgesellschaften geht) oder Streifen wie 2012. Dies alles findet augenzwinkernderweise Eingang in den Band, ohne dass dabei das gebotenen Maß an Ernsthaftigkeit ins Hintertreffen gerät. Zwar greift der Autor auch auf die altbekannte Mayaproprophezeiung zurück, was allerdings auf recht ausgefallene Weise geschieht und für den Leser überraschend kommt.
Immer wieder blitzen im Plot kleine Neckischkeiten durch, die zu dem ein oder anderen Lächeln verleiten dürften. Außerdem wurde mit Antiquar Wichowski und der kaltschnäuzigen Fräulein Schmidt zwei Charaktere geschaffen, die so gut zusammenpassen wie Feuer und Wasser. Neben dem erwähnten Mayastoff fließen noch einige andere, raffiniert aufgearbeitete Elemente (z.B. Leonardo da Vinci und sein Wissen über die drohenden Auslöschung der Menschheit; nicht zu vergessen das Lächeln der Mona Lisa, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat) ein. Wilko Müller jr. formt einen wahren Mythos, der sich durch die verschiedensten Zeitepochen zieht und der Story einige Punkte mehr an Spannung einbringt. Der Plot vollzieht sich stringent und gut durchdacht; an Recherchearbeiten, das ist deutlich spürbar, wurde nicht gespart. Sowohl Anfang und Mittelteil wurden umfangreich ausgestaltet und versorgen den Leser auf unauffällige Weise mit den nötigen Hintergrundinformationen, ohne dabei zu belehren oder zu langweilen.
Das Finale findet dann auch in den Ruine Uxmal statt, wo sich die wahre Natur Fräulein Schmidts zeigt. Unterschwellig dürfte der Leser schon ahnen, auf was es hinausläuft; dem Autor gelingt es aber gut, die Spannung bis auf die letzten Seiten zu halten. Fräulein Schmidt und die Maske der Mona Lisa ist somit ein kurzweiliges und spannendes Werk, das man vor dem Ende der Welt unbedingt noch lesen sollte!

Bildquelle: Projekte Verlag Cornelius

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s