Buch der Woche 13.08.2012 – 19.08.2012

Das Rätsel Sigma

Autor: Karl-Heinz Tuschel
Verlag: Neues Leben Berlin
Umfang: 259 Seiten
ISBN: 3355008923
Preis: varriert, da nur noch antiquarisch erhältlich

Zum Inhalt

Die DDR im Jahr 1996 – Kreis Neuenwalde.
In einem Bezirk der Hauptstadt fallen die Menschen plötzlich in tiefen Schlaf und sind nicht mehr wach zu bekommen. Viele gefährliche Situationen entstehen dadurch – der Fahrer eines PKW rast in den Gegenverkehr, im nahen Kraftwerk sinkt ein Arbeiter über seinem Reglerpult nieder und löst dadurch Alarm aus.
Herbert Lehmann, eigentlich Leiter des Mathematischen Büros der Bezirksleitung für Umweltschutz, wird auf den Fall angesetzt.
Was mag die Ursache dieser Schlafkrankheit sein, die sich immer weiter ausbreitet? Hat das Kreiskraftwerk, auf dessen Gelände viele Komplexe mit unterschiedlichen Industrien und Labors untergebracht sind, etwas damit zu tun?
Herbert Lehmann muss schnell die Ursache dieser „Schlafkrankheit“ finden, denn die Betroffenen zeigen weitere Krankheitsbilder, die schnell lebensgefährliche Ausmaße annehmen.

Drüber geschaut

Die Thematik, welche Karl-Heinz Tuschel seinem Romans Das Rätsel Sigma zu Grunde legt, wurde schon in vielseitiger Hinsicht von realen Ereignissen wie Dioxin verseuchte Eier, EHEC-Skandal und dergleichen überholt. Umso bezeichnender wirkt da seine Geschichte, denn veröffentlicht wurde sie bereits 1974, zu einer Zeit, in der wohl die wenigsten Menschen an die Möglichkeit von verseuchten Lebensmitteln dachten – sowohl in der DDR wie der BRD.
Alles beginnt mit einem simplen Unfall. Ein PKW rast auf die Gegenfahrbahn. Als man den Unfallfahrer aus dem Wagen birgt, stellt der anwesenden Polizist fest, dass dieser tief und fest schläft und nicht mehr zu erwecken ist. Es folgen zwei weitere Fälle, bis die Bezirkinspektion für Umweltschutz eingeschaltet wird. Man schickt Herbert Lehmann aus dem Mathematischen Büro, der mit dem Fall zu Beginn reichlich überfordert ist.

Für diese Lektüre wird viel Phantasie vom Leser verlangt, denn die Handlung ist aus der Sicht der 1970er auf eine nahe Zukunft (hier das Jahr 1996) geschrieben und spielt natürlich in der DDR. So bereitet auch der Zukunftsentwurf an sich nicht die Schwierigkeiten, sonder die an wohl damalige Verhältnisse angelehnte Interaktion der Protagonisten untereinander. Außerdem gibt es eine Fülle von Abkürzungen wie VPKA (Volkspolizei Kreisamt) oder ABV (Abschnittsbevollmächtigter), die wenig geläufig sein dürften.

Aus dem vorhanden technischen Möglichkeiten seiner Zeit hat Karl-Heinz Tuschel eine „Zukunft“ extrapoliert, in der es Bildschirmtelefone, Elektroautos und Umweltzonen innerhalb der Städte gibt, wodurch er sich als visionärer Kopf auszeichnet, denn praktisch all diese Dinge gehören heute zum Alltag. Diese technischen und wissenschaftlichen Aspekt kommt immer wieder zum Tragen, im Mittelpunkt steht jedoch die Suchen nach den Ursachen der Schlaferkrankung.
Das Rätsel Sigma ließt sich deshalb mehr wie eine Detektivroman vor einem SF-Hintergrund. Und dieses Gefühl wird auch gut vermittelt, denn der Protagonist Herbert Lehmann jagd von einem Anhaltspunkt zum nächsten, wird oft mit Problemen konfrontiert oder in seinen Ermittlungen gar zurückgeworfen.

Bei der Entwicklung der Geschichte hat der Autor jedoch nicht nur auf einen Protagonisten gesetzt, sonder bringt mehrere agierende Figuren ein, deren Rolle in gewissen Abständen immer wieder zusammengeführt werden, bbis kurz vor Abschluss aber größtenteils autark handeln und ihre eigenen Kämpfe zu bestehen haben. Aus diesem erzählerischen Vorgehen heraus ergibt sich für den Leser die Möglichkeit den Fall aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und dadurch selbst an der Lösung des aufgeworfenen Rätsels teilzunehmen.

Bedauerlich ist dabei allerdings, dass Tuschels Charaktere wenig menschlich wirken. Zwar agieren und reagieren sie nachvollziehbar, sorgen sich, verlieben sich, oder machen gar den ein oder anderen Witz, den Leser bleiben sie dennoch fern und fremd. Dieses Manko ist der starren Fixierung auf die Krimikomponete geschuldet; der Lösung des Rätsel wird alles untergeordnet, was sich auf die Charakterbildung abträglich auswirkt.

Fazit

In einer – wie sie für den Autor kaum hinterfragbar war – sozialistisch-kommunistischen Gesellschaft der Zukunft werden die Protagonisten auf die Suche der Lösung eines Rätsels geschickt von dem das Überleben vieler Menschen abhängt.
Das Rätsel Sigma, eine Art „SF-Bio-Krimi“, ist stilistisch ein wenig zu dokumentarisch geraten und schwächelt in Sachen Charaktereausbildung deutlich. Thematisch kann er jedoch vollkommen überzeugen und regt den Leser zum Mitdenken an.

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