Buch der Woche 14.01.2012 bis 20.01.2012

Arme_kleine_OpheliaTitel: Lalu Lalula, arme kleine Ophelia
Autor: Fanny Morweiser
Verlag: Diogenes Verlag
Umfang: 166 Seiten
ISBN: 9783257206081
Preis: 8,90 €

»Fanny Morweisers Texte haben in der deutschen Gegenwartsliteratur sicher Einmaligkeitscharakter.«
(Die Magie der Außenseiter: Die Autorin Fanny Morweiser von Martin Strasser, Phase X Nr. 7, Atlantis Verlag, 2010)

Diese Feststellung des Phantastik-Kenners Martin Strasser mag auf den ersten Blick exzessiv erscheinen, kommt man jedoch mit den Geschichten und Romanen der Autorin in Berührung, so ist der Zwang, die gleiche Haltung zu einzunehmen, unabwendbar.
Bereits ihr Debüt Lalu Lalula, arme kleine Ophelia verdeutlicht die hohe Erzählkunst der Fanny Morweiser auf das Beeindruckenste; das Schicksal eines Einzelnen wird auf die ein oder andere Weise zum Nemesis für die Menschen, mit der sie in Berührung kommt.

Vor zwei Jahren wurde Martha in einem verfallen Haus von einem Arbeiter gefunden, wirr vor sich her plappernd und krank. Eine alte Frau lass von ihr in der Zeitung und nahm sie zu sich. Die Erinnerungen an die Zeit vor ihrer Krankheit sind ausgelöscht.
Eines Tages bekommen die beiden einen Brief von der Schwerster der alten Frau. Charlotte, so ihr Name, ist ein ruheloser Geist, der umherzieht und von dem Verkauf von Horroskopen lebt.
Sie lädt die beiden ein, zu ihr in die Stadt G. zu kommen, wo sie im Haus des merkwürdigen Herrn Sebastian untergekommen ist.
Da die alte Frau sich nicht wohl fühlt, muss Martha allein fahren. In dem Haus, das sich schon bald als ein privates Sanatorium für Menschen herausstellt, die von der »normalen« Gesellschaft ob ihres Verhaltens und Aussehens nie akzeptiert werden würden, wir ihr von dem unheimlichen und buckeligen Herrn Sebastian die Wahrheit über ihr Leben vor der Amnesie erzählt.

Sofort wird dem Leser der höchst melancholische Duktus, der bis zum Ende auch durchgehalten wird, auffallen. Zeitweise wirkt er sogar höchst elegisch. Hinzu kommen die biedere, von einer drückenden Atmosphäre durchwirkten Umgebung, in der die Protagonistin lebt.
Ebenfalls eine höchst frappierenden Eindruck hinterlassen die Insassen des Sanatoriums. Darunter ein liebenswürdiger Kerl, der sich für einen Kapitän hält, eine Frau, deren Gesicht so hässlich ist, dass sie nur »Die Kröte« genannt wird, und ein Mensch, der sich wie ein Hund verhält.
Es sind diese Figuren, die Verkörperung der Andersartigkeit, das Denken in fremden Bahnen abseits der hochgehaltenen Norm, an der sich jeder Mensch in der Gesellschaft messen lassen muss, die eine Quintessenz in Lalu Lalula, arme kleine Ophelia ist.
Zum Anderen verkörpern besagte Figuren, zweifellos in extremer Form und jede auf ihre Art, die Verschrobenheit eines jeden Menschen und halten somit dem Leser einen Spiegel vor, in dem er sich selbst irgendwo wiedererkennen dürfte.

Die weiteren Begebenheiten werden in einer Binnenerzählung fortgeführt, in der zu Tage tritt, dass Martha eigentlich Ophelia heißt und als Jugendliche von den Erzählungen des Herrn Sebastian über dessen Vater, der ein Mörder war, vergiftet wurde. Damals studiert Sebastian noch in Ophelias Stadt und die beiden trafen sich immer des Nachts im Haus an der Schleuse – das Haus von Sebastians Vaters.
Später begab es sich, dass Ophelia ihre Mutter, die nicht Schwimmen konnte, ins Wasser lockte und dort kläglich ertrinken ließ. Ihr Vater sperrte sie darauf hin in ein Zimmer unter dem Dach, wo sie in einen Sarg schlafen und nur über einen Balkon die Außenwelt betrachten konnte.
Als jedoch Globetrotter Arthur Ophelia dort vom Nachbarhaus aus stehen sieht, verliebt er sich in sie. Das Unglück nimmt seinen Lauf…

Lalu Lalula, arme kleine Ophelia wird im Untertitel als Eine unheimliche Liebesgeschichte beschrieben. Eine Darstellung, die insofern richtig ist, als das sich fast jeder männliche Charakter in Ophelia zu verlieben scheint. Nicht nur Arthur ist ihr verfallen, auch der Herr Sebastian.
Der Ursprung der mörderische Eigenart von Ophelia scheinen offenkundig die blutrünstig Geschichten des Herr Sebastian zu sein. Eine leise Spur von Zweifel bestehen jedoch, wenn Fanny Morweiser ihre Protagonistin als »traurig lächelnd« und »abwesende in Gedanken« beschreibt. Diese Schilderungen laden zu der Spekulation ein der immer noch nach Tod lechzende Geist des Vaters von Herrn Sebastian hätte sich des Mädchen bemächtigt.
Die weiteren Figuren, wie Adele, die Mutter von Arthur, oder der Vater von Ophelia passen wieder in das morweisersche Schema kauziger Individuen. Ihr Schicksal ist eng miteinander verflochten
Fanny Morweiser verbindet in diesem Roman nicht nur feinfühlig das Leben einiger Menschen mit dem Unheimlichen und Ambivalenten. Sie ist auch eine sichere Stilistin, deren erzählerischer Ton punktgenau trifft.
Lalu Lalula, arme kleine Ophelia ist somit ein melancholisches, einnehmendes und schauerliches Werk, das ohne jedwedes phantastisches Element auskommend, den Leser in einen gepolsterten Alptraum stößt. Man ist geneigt sich zu ängstigen und kuschelt sich dennoch mehr und mehr hinein.

Bildquelle: Diogenes Verlag

Buch der Woche 07.01.2013 bis 13.01.2013

Das Land des Lachens

LachenAutor: Jonathan Carroll
Verlag: Suhrkamp/Insel Verlag
Umfang: 243 Seiten
ISBN: 3458165879
Preis: variiert, da nur noch antiquarisch erhältlich

Es ist still geworden um den Amerikanischen Autor Jonathan Carroll – zumindest hier zu Lande. Nachdem der Eichborn Verlag im Jahr 2003 seinen Roman »The Wooden Sea« (»Das hölzerne Meer«) veröffentlicht hatte, wurden nachfolgenden Titel, von denen es bisher immerhin drei gibt, nicht mehr ins Deutsche übersetzt; und auch bereits erschienene Bücher erlebten keine Neuauflage mehr, obwohl Carrolls Werke zum Anspruchsvollsten gezählt werden muss, was die modere Phantastik zu bieten hat.
Nicht umsonst bemühte sich einstmals der Genre-Kenner Franz Rottensteiner darum, den Autor, der sein Domizil in Wien gefunden hatte, im Suhrkamp/Insel Verlag in der Reihe »Phantastische Bibliothek« unterzubringen. »Das Land des Lachens« wurde so sein deutsches Debüt.
Auch Außerhalb dieses Rahmens erfolgten Publikationen; im Suhrkamp/Insel Verlag wurden so zwischen 1986 bis 1995 sechs Titel von Jonathan Carroll auf Deutsch herausgebracht. Dazwischen, im Jahr 1993, kam die Novelle »Schwarzer Cocktail« im Heyne Verlag heraus.
Danach trat eine vierjährige Pause ein, bis 1999 im Europa Verlag »Pauline, umschwärmt« publiziert wurde; 2002 »Fieberglas« und schließlich 2003 »Das hölzerne Meer« (beide bei Eichborn), wonach der Autor im deutschsprachigen Raum von der Bildfläche verschwand.

Jonathan Carroll wurde 1949 in New York geboren und war der Sohn bekannter und kreativer Eltern: sein Vater der Drehbuchautor Sidney Carroll, seine Mutter Schauspielerin, Sängerin und Lyrikerin.
Nachdem er 1971 das Studium an der Rutgers University mit Auszeichnung bestanden hatte, heiratet er noch im selben Jahr die Künstlerin Beverly Schreiner.
Als Englischlehrer arbeitete er an diversen Amerikanischen Schulen, bevor es ihm an die American International School in Wien zog, wo er heute noch tätig ist.

Für den Großteil der Carroll-Leserschaft dürfte wohl »Das Land des Lachens« das ultimative Werk des Autors darstellen. Auf gekonnte Weise lässt der Autor das Phantastische unmerklich in die Welt der Protagonisten einfließen.
Thomas Abbey ist Lehrer für Englische Literatur an einer Schule. Sein Leben verlief bisher immer im Schatten seines Vaters, der ein berühmter Schauspieler war.
Thomas hat eine Vorliebe für Masken, die er in seiner Wohnung sammelt und die meist der Grund dafür sind, dass die holde Frauenwelt – einmal etwas näher gekommen – schnell wieder auf Distanz geht. Und er mag – liebt – die Bücher von Marshall France.
Ganz besäßen ist er von dem Autor, der zwar bereits tot, aber durch seine Bücher immer noch lebending scheint. Und so nimmt es dann auch nicht wunder, dass er, nachdem er in einem Antiquariat ein seltenes Buch von diesem entdeckt, es unbedingt haben muss – doch leider ist es schon verkauft.
Thomas setzt alles daran, es demjenigen abzukaufen und lernt dabei die Marionettensschnitzerin Saxony kennen. Es ist nicht Liebe auf den ersten Blick, doch nachdem sich Thomas dazu entschlossen hat eine Biographie über Marshall France zu verfassen und einigen Diskussionen mit Saxony, die sich unbedingt daran beteiligen will, kommen sich die beiden schlagartig näher.
Für weitere Recherchen wollen sie Galen aufsuchen, eine kleine Stadt, in der France bis zu seinem Tode lebte und wo jetzt noch seine Tochter Anna wohnt.

Bereits auf in diesen ersteren Abschnitten tritt zu Tage, wie gut es Carroll gelingt, Charaktere »mit Seele« zu schaffen.
Thomas Abbey ist ein Mann, der von seiner Umwelt gelangweilt und genervt ist. Die Berühmtheit seines Vaters erscheint ihn oft als Last, da er sich immer verdammt sieht in dessen Schatten zu stehen. Saxony Gardener wiederum tritt als resolute Frau in Erscheinung, hinter deren etwas kratzbürstigen Verhalten sich aber ein sehr emotionales Wesen verbirgt.
Beide Protagonisten werden mit ihren Marotten (Marionetten- und Maskenliebhaber), viel Humor und menschlicher Wärme geschildert. Für dem Leser ist es somit nicht schwer, mit beiden warm zu werden.
Für Jonathan Carroll scheint dann auch die Schilderung des Phantastischen weniger von Bedeutung, als das Zusammenleben von Thomas und Saxony, was deutlich wird, nachdem die beiden in Galen eintreffen.
Dort suchen sie die Tochter von France auf und nach einigem Hin und Her, wird ihnen die Erlaubnis erteilt, die Biographie zu schreiben, obwohl Anna ein solches Ansinnen bisher immer abgewehrt hat.
Schon zuvor, wenige Tage nach ihrer Ankunft, gab es ein seltsames Vorkommnis: Ein kleiner Junge wurde von einem Auto angefahren, doch statt schockiert zu sein, ist es den Bewohner wichtiger, wie sich der Junge in seinen letzten Minuten vor den Unfall verhalten hat.
Darüber hinaus muss Thomas feststellen, dass es viele Geheimnisse im Leben von Marshall France geben hat; und immer tiefer dringt er in diesen Abgrund vor. Was hat es mit den merkwürdigen Einwohner von Galen und ihren Hunden auf sich? Wer war Marshall France wirklich und was führt seine undurchschaubare Tocher im Schilde? Die Wahrheit sprengt jede Vorstellungskraft! Thomas und Saxony sind teil eines rätselhaften und schrecklichen Plans!

Wie schon zuvor erwähnt, schleicht sich das Phantastische auf leisen Sohlen in die Geschichte ein und verwandelt die Kleinstadt Galen in einen Hort der Wunder und Schrecken, von denen hauptsächlich Thomas viel zu Gesicht bekommt, da ihm eine wichtige Rolle zugeschrieben scheint. Das dabei nicht alles wie eitel Sonnenschein daherkommt, merkt er zwar, doch kann er sich von den Ereignissen nicht lösen.
Es wird zugegebenermaßen nicht direkt angesprochen, doch mutet der Fakt, dass Thomas nun im Mittelpunkt des Geschehens steht, wie ein Befreiungsschlag gegenüber der Berühmtheit seines Vaters an. Er ist nun das Non-Plus-Ultra von dem alles in diesem Plan abhängt. Gleichzeitig scheint ihm aber auch die drohende Gefahr unterschwellig bewusst zu sein.
Die Vorlieben der beiden Protagonisten für Masken und Marionetten spiegeln sich ebenfalls in den Bewohnern von Galen wieder, sind diese doch von einer speziellen »Kraft« abhängig wie eben eine Marionette von der ihres Führer. Und nichts ist in dem Ort so wie es scheint; eine Maske verbirgt die ungeheuerliche Wahrheit.
»Das Land des Lachens« ist nicht nur ein phantastischer sondern auch einfühlsamer und menschlicher Roman in dem sich der Leser selbst zu einem Großteil wiedererkennen dürfte.
Dem Autor gelingt es mühelos, geradezu spielerisch, in die Welt des Buches zu entführen. Dabei bedient er sich eines klaren Stils und bekannter Bilder, ohne ins Triviale abzugleiten, sondern um Fragen, wie nach der Gültigkeit der Existenz und den Wert der Phantasie so zu verpacken, dass der Leser kein Philosophiestudium benötigt, um zu verstehen, was erzählt wird.
Jonathan Carroll verbindet so außergewöhnlichen Ideenreichtum und eine geschliffen Art zu erzählen, zu einen wundervollen Roman, der als ein Klassiker der modernen Phantastik gelten muss!

Bildquelle: Eigenes Foto des Buches

Buch der Woche 21.05.2012 – 27.05.2012

Fräulein Schmidt und die Maske der Mona Lisa

Autor: Wilko Müller jr.
Verlag: Projekte Verlag Cornelius
Umfang: 139 Seiten
ISBN: 9783862374939
Preis: 8,80 Euro

Passend zum aktuell bevorstehenden Weltuntergang sind die Kino- und Fernsehprogramme voll mit themenbezogenen Material; und in den Buchhandlungen häufen sich Schriftwerk um Schriftwerk dazu. Einen recht „besinnlichen“ Beitrag zur Apokalypse hat Wilko Müller jr. mit Fräulein Schmidt und die Maske der Mona Lisa abgeliefert; durch seinen recht unauffällige Titel dürfte das Bändchen aber nur den wenigsten ins Auge fallen. Die Story währenddessen, ist durchaus gefällig verfasst und verdient eine breitere Leserschaft!
Die Geschichte beginnt mit einem geradezu banalen Vorfall: Der etwas schrulligen Antiquar Franz Wichoski findet in einem Werk über Renaissancemaler eine vergilbte Notiz, verfasst in Sütterlin. Die ist nicht gleich zu entziffern und so legt er sie mit dem Vorsatz beiseite in Kürze sich damit näher befassen zu wollen – und vergisst diese Absicht prompt.
Ein fremder Kunde, der einige Tage später den Laden betritt und den Eindruck eines gehetzten Tiers macht, verlangt überraschend eben jenes Buch, in dem die Notiz versteckt lag, was Wichowski wieder an deren Existenz erinnert. Dass der Fremde jedoch weniger an dem Buch, als der ominösen Notiz Interesse hat, wird dem Antiquar erst klar, als der Kunde im Park gegenüber des Ladens den Band fahrig zu durchsuchen beginnt. Als er das Gewünschte nicht findet, stürmt er zurück zu Wichoski, der ihn mit gemischten Gefühlen erwartet – doch zu einem erneuten Zusammentreffen kommt es nicht mehr; wird der Fremde doch mitten in seinem Lauf von einem Bus in die ewigen Jagdgründe geschickt. Was es mit dem Dokument wirklich auf sich hat, muss Franz Wichowski bald mit Schrecken feststellen, scheint sich daran doch ein bestimmter, ein göttlicher Plan zu vollenden. Nichts ist so, wie es zu sein scheint. Das gilt auch für seine einzige Angestellte Fräulein Schmidt, die ein doppeltes Spiel spielt; nicht zu vergessen die Machenschaften der dubiosen Loge des Weißen Lichtes – eine Geheimgesellschaft, die den Weltuntergang erwartet. Und genau um den geht es auch, will man den Maya Kalender richtig interpretiert haben: Am 21. Dezember 2012 soll die Welt enden. In diesem Spiel um das Fortbestehen der Welt ist dem Antiquar eine besondere Rolle zugedacht, eine Rolle, die er nur widerwillig zu spielen bereit ist.

Drüber geschaut:

Schnell wird ersichtlich, dass sich Wilko Müller jr. recht intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und daraus ein Süppchen gekocht hat, dass durchaus mundet. Die Geschichte strotzt nur so vor Andeutungen auf bekannte Buch- und Filmtitel, seien es nun die Ergüsse von Dan Brown (wenn es um Geheimgesellschaften geht) oder Streifen wie 2012. Dies alles findet augenzwinkernderweise Eingang in den Band, ohne dass dabei das gebotenen Maß an Ernsthaftigkeit ins Hintertreffen gerät. Zwar greift der Autor auch auf die altbekannte Mayaproprophezeiung zurück, was allerdings auf recht ausgefallene Weise geschieht und für den Leser überraschend kommt.
Immer wieder blitzen im Plot kleine Neckischkeiten durch, die zu dem ein oder anderen Lächeln verleiten dürften. Außerdem wurde mit Antiquar Wichowski und der kaltschnäuzigen Fräulein Schmidt zwei Charaktere geschaffen, die so gut zusammenpassen wie Feuer und Wasser. Neben dem erwähnten Mayastoff fließen noch einige andere, raffiniert aufgearbeitete Elemente (z.B. Leonardo da Vinci und sein Wissen über die drohenden Auslöschung der Menschheit; nicht zu vergessen das Lächeln der Mona Lisa, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat) ein. Wilko Müller jr. formt einen wahren Mythos, der sich durch die verschiedensten Zeitepochen zieht und der Story einige Punkte mehr an Spannung einbringt. Der Plot vollzieht sich stringent und gut durchdacht; an Recherchearbeiten, das ist deutlich spürbar, wurde nicht gespart. Sowohl Anfang und Mittelteil wurden umfangreich ausgestaltet und versorgen den Leser auf unauffällige Weise mit den nötigen Hintergrundinformationen, ohne dabei zu belehren oder zu langweilen.
Das Finale findet dann auch in den Ruine Uxmal statt, wo sich die wahre Natur Fräulein Schmidts zeigt. Unterschwellig dürfte der Leser schon ahnen, auf was es hinausläuft; dem Autor gelingt es aber gut, die Spannung bis auf die letzten Seiten zu halten. Fräulein Schmidt und die Maske der Mona Lisa ist somit ein kurzweiliges und spannendes Werk, das man vor dem Ende der Welt unbedingt noch lesen sollte!

Bildquelle: Projekte Verlag Cornelius

Buch der Woche 15.08.2011 – 21.08.2011

Titel: Liber Vampirorum
Autor: Anthologie (Hrsg. Christian von Aster)
Verlag: Midas Publishing
Umfang: 156 Seiten
ISBN: 9783937449036
Preis: 12,00 €

Zum Inhalt:

Nachtschattengesandte – Christian von Aster
Schon seit ihrer Kindheit träumte sie von zauberhaften- und mystischen Wesen. Auf Einhörnern war sie durch weite Flur getragen worden, von Drachen hatte sie sich rauben lassen und Ritter befreiten sie aus den Klauen der Scheusale. Doch nichts sehnte sie mehr herbei, als den lustvollen Kuss eines Vampirs. Doch als es soweit ist und dies Wesen der Nacht vor ihrem Bett steht, um sie die Ewigkeit kosten zu lassen, überwiegt die Lüsternheit vor dem Wunsch.

Die Frau auf dem Ida – Katrin Döscher
Ihrem untreuen Mann, für den sie noch immer starke Lieben empfindet, bringt sie einer Lamia ein schreckliches Opfer, um sein Leben zu retten. Doch der Handel mit dem vampirischen Wesen offenbart sich als grausamer Betrug, der ihr jede Hoffnung nimmt.

Die Rosen des Grafen de la Patate – Christian von Aster
Schon als kleines Kind ist Aurelie entzückt von dem Irrgarten aus Rosensträuchern auf des Vaters weitem Grundstück. Niemand vermag sie in diesem Domizil zu stören. Eines Abends trifft sie im Herzen der Blütenpracht einen jungen Mann, der sich ihr als Vampir offenbart. Seit dieser flüchtigen Begegnung sind Jahre vergangen. Es ist Abend, da klopft eben jener Mann an die Pforten des väterlichen Hauses und bitte um Obdach für die Nacht. Man begibt sich zum Mahl und der Gast wird aufgefordert, ein Gebet zu sprechen. Doch sind es keine fromme Worten, die des Jünglings Mund entspringen und so bricht ein heftiger Streit zwischen ihm und dem Hausherren aus. Ein Zwist mit Folgen.

Eine Liebesgeschichte – Katrin Döscher
Für Carolus sind die allabendlichen Grischischlektionen in einer nahen Taverne mit besonderer Wonne verbunden. Nicht etwas, dass dies am Lehrstoff liegt, nein, eines der Mädchen in dem Gasthaus hat es ihm angetan. Dem Lehrer von Carolus ist die Liebelei jedoch ein Dorn im Auge, und er verbiete ihm den weiteren Umgang mit dem Mädchen, woraufhin es zwischen den beiden zum Zerwürfnis kommt. Doch der uneinsichtige Schüler hätte auf seinen Mentor hören sollen.

Nennt uns Vampire – Christian von Aster
Ein Gedicht über die Schönheit nächtlicher Kreaturen und der Unvollkommenheit und Arroganz des Menschen.

Der Muße süßer Zungenschlag – Christian von Aster
Die Kunstkennerin Chaterine O’Kappa wird des Nachts auf ein Polizeirevier gerufen, wo sie sich als Anwältin eins kürzlich festgenommenen Einbrechers ausgeben soll. Dieser hat ihre eine unglaubliche Geschichte über die Entstehung dreier sehr spezieller Bilder zu erzählen.

Verteidigungsrede einer Beschuldigten unter Anklage der Hexerei – Katrin Döscher
Ihren Mann soll sie vermittels böser Magie verschwinden lassen haben, doch die Angeklagte weist alle Schuld von sich und berichtet statt dessen von schwarzen Vögeln, die des Nachts ihr Haus umschwirrten und einem dämonischen Weib, welche ihren Mann mehr und mehr abspenstig machte und schlussendlich verschwinden ließ.

Sub Rosa – Christian von Aster
Von der englischen High Society fürchterlich gelangweilt, suchen drei Freunde ihre Heil in der Beschäftigung mit okkulten Lehren und Wesen. Ein alter Mann, den sie extra vom Balkan herbringen lassen, beschert ihnen die blutrote Unsterblichkeit. Es dauert jedoch nicht lange und die Drei müssen feststellen, dass Unsterblichkeit kein Seelenheil bringt.

de profundis – Oliver Hagendorn
Ein merkwürdiger Brief, angeblich von einem Vampir verfasst, versetzt eine Studentengruppe in Detektivlaune. Die Suche nach dem Ursprung des Schriftwerke bleib zwar letztendlich ungeklärt, doch ereignen sich beunruhigenden Begebenheiten.

Der letzte Vampir von Krodov – Christian von Aster
Mit seiner Schaustellertruppe fängt Professor Mosca einen Vampir. Durch die unheimliche Attraktion kommt das einstmals schäbige Varietee zu zweifelhaften Ruhm und Reichtum. Jeder will die blutrünstige Bestie sehen. Als die Kuriositätenschau jedoch in ein abgelegenes Dorf bestellt wird, wendet sich das Blatt und statt einem rollenden Rubel fließt Blut.

Kletterpartie – Dorthe Landschulz
Frank ist Biologiestudent und auf eine Party eingeladen. Leider kann er solch feuchtfröhlichen Verlustigungen nicht viel abgewinnen. Nachdem er schon einiges getrunken hat, fordert die Natur ihr Recht. Auf der Toilette jedoch klettert plötzlich ein Mädchen durchs Fenster. Zwar mag dieser Umstand auf den ersten Blick belustigend wirken, die Wohnung liegt allerdings im fünften Stock!

Rosenkohl – Katrin Döscher
Um einen ganz in Schwarz gekleideten Mann, den sie Lumpi nennt, drehen sich ihre Gedanken. Jeden Tag steht er an der Wand des Hauses gegenüber und mustert die vorbeigehenden Menschen grimmig. Je mehr sie ihm beobachtet, desto schneller dreht sich ihre Phantasie um diesen komischen Kauz; doch was haben Rosenkohl und alter Butterkuchen in vampirschen Tagträumerein zu suchen?

Drüber geschaut:

Seit die Romane einer Stephanie Meyers und Machwerken ähnlichen Couleurs der Leserschaft an der Halsschlagader hängen, um sich dort kräftig am roten Lebenssaft gütlich zu, scheint der Vampir nur noch für den übermenschlichen Liebhaber und Retter-in-letzter-Sekunde zu taugen. Die Figur des Blutsaugers, seine Faszination und letztendlich auch sein Ursprung, verwirrt sich durch das Zurechtstutzen auf ein bestimmtes, dem Publikum maulgerecht geschnittenes Motive. Das es auch anders geht beweisen die Autoren von „Liber Vampirorum“.

Schon der erste Beitrag „Nachtschattengesandte“, in dem sich die Protagonistin nichts sehnlicher wünscht, als von einem Vampir gebissen zu werden, jedoch als es soweit ist, ihre Lüsternheit vor dem eigentlichen Wunsch überwiegt, verströmt ein düster-romantisches Flair.
„Die Frau auf der Ida“ wiederum, entführt in die griechische Sagenwelt, in der eine hilflose Frau mit dem Geschöpf Lamia (halb Frau, halb Schlange) einen grausamen Pakt schließt. Eine Geschichte, die Leser wohlig frösteln lässt; wogegen „Die Rosen des Grafen de la Patate“ wiederum eine romantische, fast träumerische Note träg, gepaart mit einer leichten Traurigkeit über die Gefühl- und Einfallslosigkeit des Menschen.
„Eine Liebesgeschichte“ erscheint als einer der eher konventionellsten Beiträge des Bandes, und zeigt auf, dass es manchmal gut ist, auf das Wort seine Gegenüber zu hören. Das Gedicht „Nennt uns Vampire“ dagegen, lädt zum nachdenken ein.
Im modernen Ambiente spielt „Der Muße süßer Zungenschlag“ und erinnert – was der Autor selbst frei zugibt – ein wenig an „Interview mit einem Vampir“. Eine reine Kopie ist diese Geschichte trotzdem nicht, sonder weiß durchaus zu gefallen und zeigt auf, wozu die Liebe zur Kunst fähig ist.
Bei der Lektüre zu „Verteidigungsrede einer Beschuldigten unter Anklage der Hexerei“ kommt man nicht umhin zu meinen, die Erzählung sei einem real-historischen Dokument entnommen. Die Autorin versteht es stilistisch vorzüglich das Geschilderte authentisch wirken zu lassen und dem Leser die Verzweiflung, Angst und Trauer der Protagonistin nahe zu bringen. „Sub Rosa“ währenddessen, berichtet von drei Freuden, die die Langeweile und Eintönigkeit des Alltags zu ungewöhnlichen Ideen antreibt. Das Ergebnis mag zu Anfang faszinierend sein, doch die Realität schlägt früher oder später mit aller Härte zu. In diesem Beitrag verfährt der Autor recht bösartig, doch unterhaltsam.
„de profundis“ dreht sich um einen Brief, der angeblich von einem Vampir verfasst wurde. Als man auf Spurensuche geht, setzt sich ein dunkles Räderwerk in Gang. Diese Erzählung flüstert mit einer leisen, subtilen Stimme und mag ein wenig verwirrend wirken. „Der letzte Vampir von Krodov“ dagegen lehrt einer Schaustellertruppe auf grausame, jedoch gerechte Weise, dass Vampire nicht nur wilde Bestien sind. Ein eher deftige Story mit viel Unterhaltungswert.
Ein wenig farblos kommt „Kletterpartie“ daher, in der von einem Mädchen berichtet wird, dass ein Haus hinaufklettert und durchs Klofenster kurz „Hallo“ sagt. „Rosenkohl“ dagegen lädt zum Schmunzeln ein, geht es darin doch um die kulinarischen Abneigungen eines Vampirs.

In „Liber Vampirorum“ beweisen die Autoren, dass die Figur des Vampirs mehr herzugeben vermag, als gedacht. Mit unheimlichen, romantischen, bizarren aber auch komisch-skurrilen Einfällen wird der Leser an die Lektüre gefesselt. Die inhaltliche Mischen zeigt sich höchst ausgewogen und so gut wie jede Story, von „Kletterpartie“ einmal abgesehen, die ein wenig blass gegenüber den anderen Beiträgen wirkt, kann überzeugen. Geschickt verarbeitet der Band unterschiedliche Motive, bleib seinem Anspruch aber in jeder Hinsicht treu. Ein Muss, nicht nur für Leute, die es bissig mögen!

Fazit:

Christian von Aster offenbart nicht nur als Autor ein herausragendes Talent, er versteht es auch als Herausgeber Eindruck zu machen. Mit „Liber Vampirorum“ legt er eine Anthologie vor, die in das Regal eines jeden Phantastik-Fans gehört!

Bild- und Inhaltsquelle: http://www.vonaster.de

Buch der Woche 04.07.2011 – 10.07.2011

Titel: Mobile
Autor: Andreas Richter
Verlag: Achilla Presse
Umfang: 246 Seiten
ISBN: 3928398563
Preis: 18,00 Euro

Zum Inhalt:

Joachim Netzner ist ein Mann, der alles hat: Einen guten, geldbringenden Job mit Aufstiegsmöglichkeiten, eine bezaubernde Ehefrau und zwei Kinder. Das Familienleben ist harmonisch und ungetrübt. Als Joachim’s Mutter verstirbt muss er den Haushalt der alten Frau auflösen. Dabei stößt er auf einige Dinge aus seiner Kindheit, worunter sich auch ein Mobile befindet. Dieses Babyspielzeug hatte er damals mit seinem Freund Michael Wohlert aus einen Laden entwendet, in dem vorher eine Diebesbande eingebrochen war. Ohne lange zu überlegen, hängt er das Mobile über die Schalfstatt seines Sohnes Daniel. Doch etwas stimmt mit dem Holzgebilde, dass lustige Kreise über dem Bett des Kleinkindes dreht, nicht. Joachim’s Sohn wird immer unruhiger oder schreckt aus dem Schlaf auf und kann sich nicht mehr beruhigen. Diese Zustände werden immer schlimmer, doch können weder Ärzte noch Speziallisten helfen. Eines Tages beobachtet Joachim, dass die Figuren des Mobile’s immer mehr an Farbe verlieren und zusehends verblassen. Einhergehend mit diesem unheimlichen Vorgang verschlechtert sich der Zustand von Daniel. Um Licht in die dunklen Vorgänge um des Mobile zu bringen, sucht Joachim seinen alten Freund Michael auf. Doch der hat sich in den langen Jahren sehr verändert. Nach langen Gesprächen und Diskussionen machen sich die beiden Männer auf, dass Rätsel zu lösen. Ein Rätsel, dass die beiden jedoch mehr, als nur Nerven kosten wird.

Drüber geschaut:

„Mobile“ ist – entgegen der Bezeichnung „Thriller“, die man auf den Cover finden kann – ein unheimlich-phantastischer Roman. Nachdem Joachim Netzner ein Spielzeug, dass er in Jugendtagen aus einem Laden gestohlen hat, über das Bett seines Sohnes hängt, legt sich Unheil über die Familienidylle. Seinen Sohn Daniel geht es plötzlich immer schlechter und bald ist das Mobile als Ursache ausgemacht, dass sich scheinbar langsam der Lebensenergie des Kleinkindes bemächtigt. Um seinen Sohn zu retten, setzt er sich mit seinem Freund aus Kindertagen – Michael Wohlert – in Verbindung. Bei einem Treffen stellt sich heraus, dass Michael nicht mehr der Alte ist. Nachdem spurlosen Verschwinden seines kleinen Bruders brach auch seine Familie langsam auseinander. Schuld daran war ebenfalls ein gestohlenes Spielzeug aus besagtem Laden. Zusammen versuchen die beiden Männer das Rätsel um die gefährlichen Spielsachen zu lösen. Ein Vorhaben was sie letztendlich nach Großbritannien führt, wo sie einen Mann begegnen, der der Teufel persönlich zu sein scheint.

Die große Stärke dieses Romans ist sein Thema. Hier geht es um das Wohl eines Kindes und der Bewahrung der Familienfriedens. Niemand dürfte das kalt lassen. Der Autor schildert durchaus überzeugen die Verzweiflung und Zerrissenheit der Protagonisten, welche der Leser förmlich zu schmecken vermag. Hinzu kommt der Faktor des Übernatürlichen, der schwer greifbar bleib und dadurch die Atmosphäre noch mehr verdüstert. Leider kann der Autor diese Wirkung nicht oft halten. Vor allem die Szenen und Dialoge zwischen den Protagonisten zerstören oftmals das unheilschwangere Fluidum, da sie sich in ihrer Form oft wiederholen, hölzern und infantiel wirken. Und auch der Abschluss der Geschichte kann nicht überzeugen – zu schnell und nichtssagen wird er abgehandelt, als wäre dem Autor auf den letzten Metern der Zielgeraden die Puste ausgegangen.

Fazit:

Die Geschichte an sich kann durchaus überzeugen und weist Momente auf, die einem schaudern lassen. Doch besagte Schwächen nehmen ihr ein großes Stück an Reiz. „Mobile“ ist ein Roman , der sich vor allem zur Lektüre für Zwischendurch eignet und dem Leser an ein paar markanten Momenten gefallen finden lässt. Ein Meisterwerk sollte man jedoch nicht erwarten.

Bild- und Inhaltsquelle: Achilla Presse